von Höhen und Tiefen

…. zwar betrifft mich dieses Thema nicht direkt, doch habe ich durch Beruf und im Bekannten-/Verwandtenkreis schon einige Erfahrungen damit sammeln müssen.
Daher würde ich gerne ein paar Zeilen zum Krankheitsbild “Depression” und deren Formen niederschreiben. Es scheint immer mehr eine Volkskrankheit zu sein, doch leider ist es eine schwer nachvollziehbare Krankheit für die meisten, was eine enorme Dunkelziffer an depressiv erkrankten Menschen nach sich zieht. Ich zitiere hier einige Fakten aus einem Dossier der SZ:
“Volkskrankheit Depression
Weltweit nehmen Depressionen zu. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden sie bis 2020 die häufigste Krankheit sein. Auch heute schon leidet jeder fünfte bis zehnte Mensch einmal in seinem Leben darunter.” (Süddeutsche Zeitung)

“Gelegentlich wird die Depression mit einem Stimmungstief gleichgesetzt. Depression hat nichts mit ein bisschen Traurigkeit zu tun!”

Auf einmal verlieren Menschen die Lust am Leben, stürzen in trostlose Schwermut. Die Trennung vom Partner, berufliche Schwierigkeiten, aber auch der Tod eines geliebten Haustieres die Liste möglicher Auslöser für eine Depression ist lang. Manche Menschen erkranken scheinbar grundlos, andere erleben einen Krieg und bleiben gesund. Die Forschung kommt der Krankheit nur langsam auf die Spur.

Was nun genau im depressiven Gehirn vor sich geht, ob zu wenig oder zu viel Botenstoffe vorhanden sind, ob keine neuen Nervenzellen gebildet werden oder ob die Kommunikation zwischen Neuronen gestört ist, ist noch ungeklärt. Die vielen verschiedenen Theorien machen dennoch Hoffnung. Denn sie schließen sich nicht zwangsläufig gegenseitig aus, sondern jede trägt für sich ein weiteres Stückchen Wissen über diese Krankheit bei.

Die Betroffenen leiden unter einem gestörten Antrieb, kleine Dinge sind wie große Berge, Hobbys bleiben liegen und das Empfinden von Freude wirkt wie abgeschaltet. Es kommt zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit undzu Konzentrationsstörungen. Eine schwere Depression geht auch mit Schlafstörungen und Appetitlosigkeit einher. Es ist ein hässlicher, trister Zustand mit hohem Leidensdruck.

Depressionen sind so häufig wie kaum eine andere Krankheit und trotzdem haben die Menschen vor allem Vorurteile im Kopf, wenn sie an diese psychische Erkrankung denken. Ich bin heute so depressiv, heißt es, wenn ein Mensch einen miesen Tag hat und zu nichts Lust. Doch eine solche depressive Verstimmunghat mit einer echten Depression rein gar nichts zu tun. Dazwischen liegen Welten, sagt Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München.

Den Unterschied bekommen immer mehr Menschen an der eigenen Seele zu spüren. Weltweit nehmen Depressionen zu. Bis 2020 werden sie die häufigste Krankheit sein, schätzt die Weltgesundheitsorganisation. Auch heute erfährt schon jeder fünfte bis zehnte Mensch einmal im Leben, was eine Depression wirklich bedeutet. Und dennoch leiden die Allermeisten im Verborgenen. Während die Deutschen mittlerweile offen über ihren Herzinfarkt reden und sogar über ihren Brustkrebs, versuchen sie, eine Depression zu verbergen. Nur selten bekennen sich Prominenteöffentlich dazu, wie vor wenigen Jahren der Fußballspieler Sebastian Deisler, der ein gewaltiges Medienecho auslöste. Für die öffentliche Wahrnehmung war die Diskussion allerdings gut, sagt Holsboer, der Deisler damals behandelt hat. Nur wenn es kein Stigma mehr gebe, lasse sich die Krankheit besser bekämpfen. Und das sei dringend nötig, denn die Depression sei eine ernste, manchmal lebensbedrohliche Erkrankung, so Holsboer. Sie trifft den Menschen im Kern.

Wie praktisch alle psychischen Erkrankungen sind auch Depressionen auf ein Zusammenwirken einer (angeborenen) Veranlagung und Belastungen bzw. Stressoren zu erklären. Diese Kombination wird auch als Diathese-Stress-Modell (Vulnerabilitätsmodell) der Depressionen bezeichnet. Man geht heute davon aus, dass im Sinne einer Stoffwechselstörung Abweichungen in der Regulation von Botenstoffen im Gehrin (Neurotransmitter) ganz massgeblich für die Entstehung von Depressionen verantwortlich sind.

Dabei unterscheiden sich die Menschen sehr individuell hinsichtlich der biologischen (genetischen) Empfindlichkeit (Diathese). Liegt eine familiäre Belastung für Depressionen (oder andere schwerwiegende affektive Störungen vor), so kann das Risiko für das Auftreten einer Depresssion sicherlich erhöht sein. Dies heisst aber sicher nicht, dass zwangsläufig auch bei den Nachfahren eine Depression auftreten muss. Vielmehr ist rein statistisch das Risiko erhöht.

Bestimmte Lebensphasen, die sich durch starke hormonelle Veränderungen charkterisieren lassen, sind ebenfalls besonders “risikoreich”. Hierzu gehört u.a. die Geburt eines Kindes (bzw. die nachfolgenden Wochen und Monate), aber auch hormonelle Veränderungen der Menopause der Frau.

Bei einem Teil der depressiven Patienten lassen sich daneben saisonale Einflüsse bzw. eine Abhängigkeit von Sonneneinflüssen aufzeigen (sog. saisonale affektive Störungen ).

Da eine ganze Reihe von körperlichen Erkrankungen mit Depressionen einhergehen können, erfolgt routinemässig bei der Abklärung einer etwaigen Depression eine entsprechende Diagnostik . Beispiele für relevante Erkrankungen wären (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Schilddrüsenerkrankungen
  • chronische Erkrankungen
  • Schmerzen
  • Parkinson
  • Autoimmunerkrankungen (z.B. Kollagenosen)
  • Lebererkrankungen (chronische Hepatitis)
  • schwerwiegende Infektionserkrankungen (z.b. HIV)
  • Alkohol- oder Tablettenabhängigkeit
  • andere endokrinologische Erkrankungen

Mein Anliegen ist es offener über diese Krankheit zu sprechen und mit ihr umzugehen.
Zu oft habe ich schon geliebte Menschen verlieren müssen aufgrund solcher Krankheiten…oftmals ohne von dieser gewusst zu haben.
Es mag vielleicht ein Irrglaube sein, dass man durch offenen Umgang alles hätte verhindern können, doch hätte es womöglich einiges erleichtert…sowohl für die Erkrankten, als auch für einen selbst.
Ich verbleibe in liebevollem Andenken an meine Freunde, Bekannten und Verwandte….
Susanne Geißler